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Martin H. / 2004 - 2007

Hallo, ich bin Martin H., geboren in Köln und heute (2010) 23 Jahre alt. Bis kurz nach meinem 16. Geburtstag lebte ich mit meiner Mutter und meinem Bruder zusammen in Köln-Braunsfeld. Meine Mutter verstarb im Herbst 2003. Dies führte dazu, das ich in das Jugendwohnheim zog, im Juli 2004.

Ich kam aus einem recht guten Haushalt. Anfangs war ich von einigen Klischees gegenüber Heimen behaftet, an denen nicht zuletzt die Filmindustrie die Schuld trug. Diese wurden aber, glücklicherweise, nicht bestätigt und waren auch schnell verflogen nachdem ich das Bernhard-Letterhaus-Haus kennenlernte. Schon im Vorgespräch bzw. der Vorstellung wurde mir der größte Teil der Skepsis genommen.

Nach meinem Einzug habe ich mich erstmal ein wenig zurückgezogen, hatte auch erstmal Schwierigkeiten mich hier richtig einzuleben. Jedoch suchte ich auch nach Ruhe um die Erlebnisse der letzten Zeit zu verarbeiten. Nachdem die ersten Kontakte geknüpft waren, lebte ich mich letztlich sehr gut ein, fand auch einige Freunde, mit denen ich zum Teil noch heute Kontakt habe.

Ich habe hier viele Wertvolle Erfahrungen machen können, die mir auch in meinem heutigen Leben immer wieder hilfreich sind. Das waren sowohl positive, als auch ein paar negative. Zu den positiven Erfahrungen zähle ich, dass ich hier sehr viele verschieden Menschen kennengelernt habe, von denen die meisten selber ein hartes Schicksal erleben mussten, mir hat es immer geholfen mit Bewohnern mein "Leid" zu teilen, sowie es ihnen sicherlich geholfen hat Ihres mit mir zu teilen. Man konnte sich so gegenseitig aufbauen und stark machen. Natürlich hatten auch die Betreuer immer ein offenes Ohr für mich und haben sich immer gut gekümmert wenn es mir mal nicht so gut ging oder ich Hilfe benötigte. Als negative Erfahrung sehe ich an, dass man oft von Menschen enttäuscht oder getäuscht wurde, was ja im Leben immer wieder mal vorkommt. Dazu muss ich aber sagen, auch aus diesen Erfahrungen habe ich positives für mein Leben mitgenommen. Besonders im Umgang mit Menschen.

Aber wieder zurück zu den Schönen Seiten dieser Zeit. Besonders Erwähnenswert finde ich, das zu meiner Zeit (sowie heute) die Stimmung im Haus sehr gut war. Die Wohnatmosphäre war immer sehr angenehm. Ich hatte nie das Gefühl hier unsicher oder schlecht aufgehoben zu sein. Die Betreuer waren immer darum bemüht ein gutes Miteinander unter den Bewohnern zu schaffen und die gute Stimmung im Haus zu halten, mit Erfolg denke ich (dazu habe ich auch schon ganz andere Geschichten von anderen Einrichtungen gehört...).
Auch die verschiedenen Freizeitangebote, sowie der große Garten des Hauses haben für Abwechslung gesorgt. Bei schönem Wetter konnte man sich immer austoben, sei es mit Volleyball, Basketball oder gelegentlichen Wasserschlachten. Dies förderte das Zusammenleben und hat ein "Wir-Gefühl" unter Bewohnern geschaffen. Natürlich nahmen an diesem "Wir" nicht alle Teil, aber das ist auch schwer bei rund 60 Personen. An den verschiedenen Ferienfreizeiten die jährlich angeboten werden, konnte oder wollte ich leider nie teilnehmen, habe mir aber immer reichlich davon erzählen lassen. Es schien immer spaßig gewesen zu sein, weshalb ich mich im Nachhinein immer ärgerte nicht mitgefahren zu sein...

Nun mal ein bißchen noch zu meinem Werdegang während meiner Zeit als "Heimkind": Als ich hier einzog, war ich gerade von einem Gymnasium auf die Realschule gewechselt. Hier bemühte ich mich um meinen Realschulabschluss. Ich gehörte bzw. gehöre auch noch, zu der durchaus fauleren Gattung der Menschheit, weshalb mich die Betreuer sehr oft antreiben mussten, damit ich mich regelmäßig und zur Abwechslung oder zwischendurch mal pünktlich zur Schule bewegte...hierfür nochmal DANKE! :). Nachdem ich im Jahre 2007 im zarten Alter von 18 dann endlich meinen Realschulabschluss in der Tasche hatte, ging es darum mir einen Ausbildungsplatz zu suchen. Leider zu Spät. Für das laufende Jahr hatte ich keinen mehr gefunden und versuchte mich erstmal ein bißchen "zur Ruhe zu setzen". Dies wurde allerdings nicht lange toleriert, weshalb ich mich dann doch schnell um Beschäftigung kümmern musste. Infolge dessen, arbeitete ich dann ein Jahr lang in einer Tankstelle zur Aushilfe. Für das folgende Jahr fand ich dann aber eine Ausbildungsstelle, was mich dann, nach drei (größtenteils schönen) Jahren im Heim, dazu bewegte mir eine eigene Wohnung zu suchen. Ich fand auch relativ schnell eine und zog dann im April 2007 aus.

Das selbstständige Leben läuft, dank einer guten Vorbereitung, mit einigen Höhen und Tiefen sehr gut. Ich habe ein kleines Appartement in Köln-Braunsfeld und genieße dort mein Junggesellendasein. Ich könnte behaupten das ich mein Leben an sich gut im Griff habe. Und das habe ich vielen Jungen Menschen in meinem Alter voraus, dank der vielen Erfahrungswerte, Hilfen und Tipps die ich aus meiner Zeit als "Heimkind" mitgenommen habe.

Wie bereits oben erwähnt mache ich seit September 2007 eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten für Betriebswirtschaft an der Möbelfachschule in Köln. Im Mai 2011 werde ich diese dann erfolgreich abgeschlossen haben und hoffentlich schnell ins Berufsleben einsteigen.

Ich habe auch heute noch sehr viel Kontakt zum Jugendwohnheim. Bin regelmäßig zu Besuch, helfe auch ab und an mal wo ich helfen kann und verstehe mich auch privat sehr gut mit meinen ehemaligen Betreuern. Auch heute helfen sie mir gerne, wenn ich mal Fragen habe, wie zum Beispiel bei Angelegenheiten mit diversen Ämtern, von denen man ja auch während der Ausbildung abhängig ist.
Es ist auch schön zu sehen, wie sich das Jugendwohnheim immer weiter entwickelt, sei es die Modernisierungen, Sanierungen oder die Erweiterungen die hier in den letzten Jahren stattgefunden haben. Hier ist immer was los, der technische Fortschritt macht auch vor einem Jugendwohnheim kein halt :-) .

Alles in allem kann ich behaupten, dass ich ohne meine Zeit im Bernhard-Letterhaus-Haus, heute ein deutlich schwereres Leben hätte und deutlich unreifer wäre, bezogen auf die Lebenssituation. All die Erfahrungen, all das, was einem mitgegeben wurde beschleunigte meinen Entwicklungsprozess vom pubertären Teenager zum jungen Erwachsenen und ermöglicht mir heute, wie bereits erwähnt, ein gut laufendes, selbst organisiertes Leben zu führen.
Dafür danke ich dem Team des Jugendwohnheims!

Martin